Sommerausstellung 2012 im Romaneum:

                                                                                  

Ansprache von Bettina Jahnke, Intendantin des Rheinischen Landestheaters Neuss und Schirmherrin der Sommerausstellung 2012 des Neusser Künstlerkreises e.V.

Herzlich Willkommen zur Sommerausstellung 2012,
in einem Sommer, der diesen Namen nicht verdient hat.
Aber wir lassen uns die Laune nicht verderben. Ich freue
mich sehr, als Schirmherrin diese Ausstellung eröffnen
zu dürfen.
Als Intendantin des Rheinischen Landestheaters, bin ich sehr
glücklich, dass das neue Romaneum mit Leben gefüllt wird. Habe
ich doch 2 Jahre jeden Tag von meinem Bürofenster auf die
Baustelle geblickt und konnte mir nicht vorstellen, dass in
diesem nüchternen, kalten Bau einst die Kunst zu Hause sein
wird. Seit der Eröffnung im Februar dieses Jahres, wird es aber
von den Neusser Bürgern und Künstlern neugierig in Beschlag
genommen. Dass die diesjährige Sommerausstellung des Neusser
Künstlerkreises hier statt findet, ist ebenfalls ein Zeichen dafür,
dass das Romaneum inzwischen einen festen Platz in der
Neusser Kunst- und Kulturszene erhalten hat.

Ich werde als Theaterintendantin und Regisseurin oft von
meinen Zuschauern gefragt, ob sich der ganze Aufwand für die
Kunst überhaupt lohnt. Neben dem vielen Geld, welches in die
Kunst und Kultur fließt und der ganzen Arbeit, die nötig ist,
damit ein Theaterabend entsteht: die Anfertigung der Kostüme,
der aufwändige Bau des Bühnenbildes, der viele Text, der gelernt
werden muss, die Maske, das Licht und und und – das alles für
ein paar Aufführungen? Und danach ist alles vorbei!? Was
bleibt von einem Theaterabend? Von einer Inszenierung? Man
kann sie nicht verewigen, nicht festhalten – jede Aufführung ist ein einzigartiges Kunstwerk und wird in dem Moment
erschaffen, in dem es stattfindet. Und am Ende der Spielzeit -
steht der Beginn einer Neuen: nach lieben! kommt jetzt glauben!

Der Flüchtigkeit und Kurzlebigkeit meiner Kunst steht die
Langlebigkeit und Beständigkeit ihrer Kunst gegenüber. Ein
Bild kann Ewigkeiten überdauern. Gerahmt, verglast hängt es an
der Wand – ein unveränderlicher Zeuge des künstlerischen
Schaffensprozesses. Ein Bild bleibt.

Und doch vereint uns beide das Festhalten des Augenblicks, das
Gestaltwerden von Wirklichkeit. Wir Künstler sind Sammler der Fundstücke, die am Wege liegen bleiben, die nicht verwertbar
sind im Alltag – all das, was im Getriebe des Lebens unter die Räder zu kommen droht, halten wir auf, halten wir fest und
geben ihm Raum. Es ist das Innehalten in einer beschleunigten
Welt, was die Kunst so unverzichtbar macht – das Heraustreten
aus der Ökonomie der Zeit und dem Diktat der Nützlichkeit.

Von daher kann ich die Frage – ob sich der Aufwand lohnt -
immer nur mit einem klaren, eindeutigen JA beantworten.
Passend zu unserem kommenden Spielzeitmotto glauben! zitiere
ich die Bibel: der Mensch lebt nicht vom Brot allein! Kunst ist
ein Lebensmittel. Der Mensch braucht sie wie das tägliche Brot
und die Luft zum Atmen. In diesem Sinne sollen auch die
Bilder dieser Ausstellung wirken.
Ich wünsche dem Neusser Künstlerkreis noch viele weitere
Ausstellungen und insbesondere dieser Sommerausstellung viele
Besucher.

Als musikalischen Beitrag bitte ich nun Michael Großschädl -
Schauspieler an unserem Theater – auf die Bühne. Er wird Ihnen
eine Kostprobe aus dem heutigen Abendprogramm BLIND
DATE darbieten – kleine Schleichwerbung: heute 20 Uhr im
Foyer des Theaters, Teil 5 der beliebten und erfolgreichen
Theatertherapie zum Thema lieben! Bitte schön.